© Foto: Pferdereich Mühlviertler Alm/Erber: Unterwegs im Pferdereich Mühlviertler Alm
Im Vordergrund imposante Granitfindlinge. Dahinter ein Reiter mit seinem Pferd im Wald.
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Sabine und Felix Kern - das Leben ist ein Wanderritt

Zwischen Hufen, Nüstern und neugierigen Pferdeohren reden wir mit Sabine Kern und ihrem Vater Felix Kern darüber, wie sie die Liebe zu den Pferden entdeckt haben und den Traum vieler, nämlich den eines eigenes Pferdebetriebes, leben.

© Foto: Wanderreithof Kern/Elisa Sommer: Felix und Sabine Kern
Felix und Sabine Kern sitzen auf einem alten Leiterwagen und lachen. Links im Bild ein Haflinger, der die Ohren spitzt.

Eine Frage drängt sich da gleich als erstes auf: Felix, wie kam es eigentlich dazu, dass du einen Wanderreithof gegründet hast?

Felix lacht und seine Augen beginnen zu leuchten. Es ist eine schöne Geschichte. Als Elektriker, angestellt bei der Uni in Linz wollte er eigentlich um die Welt segeln. „Wir waren vier Freunde die an einem Katamaran bauten, es wurde fast fertig, dann ist aber nichts mehr weitergegangen“ erzählt er. Über das Sportinstitut der Uni kamen Felix Kern und seine Frau dann zum Reiten. Es hat ihm gefallen und er war ehrgeizig. Beim HSV Ebelsberg, wo er später auch geritten ist, hatte er sogar den gleichen Reitlehrer wie Olympiasiegerin Sissi Max-Theurer. „Wir beide haben beim Reiten je unseren eigenen Weg gefunden“, erzählt Felix mit einem Grinsen im Gesicht.

Und wie ging es dann weiter, möchten wir wissen.

Mit 3000 m² Grund, den seine Frau Hermine im Jahr 1979 in Unterweißenbach geerbt hat, hat alles begonnen. Bei den Schwiegereltern die gleich nebenan wohnten, hat er sein erstes Pferd Domino eingestellt. „Schwarz war er und sehr schnell war er“, erinnert er sich zurück.

Der Nomade zu Pferd

Langsam wurden auch in der Region die Pferde mehr. Felix hat mit ein paar Freunden einen Reitverein gegründet. Sie haben viele Wanderreitprüfungen angeboten und irgendwann kam ihm dann die Idee, einen Betrieb zu gründen. „In Österreich hat es zu dieser Zeit einen professionellen Wanderreitführer gegeben, er nannte sich „Nomade zu Pferd“. Der Wanderreitreferent mit dem ich gut befreundet war, hat mir erzählt dass Hans Peter also der „Nomade zu Pferd“ derzeit in der Wachau unterwegs sei. Mit meiner Stute Dina bin ich dann von Unterweißenbach in die Wachau geritten, das war damals nicht wirklich üblich“, erinnert sich Felix zurück. Dort hat er ihn dann gesehen, mit 12 Leuten ist er am Tisch gesessen und hat ihnen Geschichten erzählt. „Das hat mich sehr beeindruckt, ich wollte so werden wie er, habe mich dazu gesellt und ich habe mich dann mit ihm angefreundet. Später hat er sogar einmal einen Urlaub auf der StoneHill Ranch gebucht“, erzählt er weiter.

Nach seinem Ausflug in die Wachau hat Felix Motivationskurse gebucht und sich immer vorgestellt, wie schön das wird, wenn er seinen eigenen Wanderreitbetrieb hat.

Gestartet hat er mit acht Pferden und acht Betten. Nebenbei hat er als Schulwart gearbeitet. Er erinnert sich gerne zurück. „Ich war auch Gründungsmitglied der Reitarena Austria im Jahr 1987 (Anm. mittlerweile eine der erfolgreichsten Angebotsgruppen in Österreich, was Reiturlaub betrifft), eine Einschaltung dort hat damals 24.000 Schilling gekostet, als Schulwart habe ich damals 11.000 Schilling verdient.“ Danach ging es aber steil bergauf.

Da gäbe es noch viele Geschichten zu erzählen, zum Beispiel vom „Goldschürfertrail“ oder der „Aussteigerreitwoche“.

Inzwischen hat Felix Kern vier Betriebe gegründet und drei davon an seine drei Kinder übergeben. Die KernAlm hat er 2018 eröffnet, hier ist er selbst der Chef. 

© Foto: Pferdereich Mühlviertler Alm/Erber: Felix Kern
Felix Kern sitzt auf einer Bank an einer Steinbloß-Mauer und vor ihm steht ein Pferd, welches er streichelt.

Sabine Kern

Die älteste Tochter von Felix, Sabine, hat Pferde früh zu lieben gelernt und das hat sich, wie man sieht, bis heute nicht geändert. Sie geht sehr sorgsam und fein mit ihnen um und nicht nur das, sie kennt sich auch richtig gut aus.

Aber natürlich interessiert es uns, was ihr an ihrer Arbeit als Besitzerin eines Wanderreithofes eigentlich am meisten Freude bereitet?

„Es ist der Umgang mit Tieren und viel Zeit draußen zu verbringen“, antwortet sie sehr schnell. „Und auch die viele Bewegung“, ergänzt sie noch. Ursprünglich wollte Sabine Kern die Tourismusschule in Bad Leonfelden machen, dort bekam sie keinen Platz und hat deshalb die Pferdewirtschaftsschule in Lambach besucht, das war damals der allererste Lehrgang. „Zuerst habe ich in der Jungpferde- und Reitpferdeausbildung gearbeitet. Ich habe es auch bei anderen Betrieben probiert, dann habe ich aber schnell gemerkt, dass ich doch lieber selbstständig sein möchte“, erzählt sie weiter.

© Foto: Wanderreithof Kern/Elisa Sommer: Sabine Kern
Sabine Kern sitzt mit Ihrer Hündin auf einem Stein in der Pferdekoppel.

Und wann hast du dann den Betrieb übernommen, möchten wir wissen.

„Ich habe 2005 übernommen, davor habe ich beim WIFI noch eine Marketing-Fachausbildung gemacht. Dann war ich bestens gerüstet.“

Wir zählen die Pferde die sich im Offenstall von Sabines Hof tummeln. Wir kommen auf 24 Ohren und somit 12 Pferde.

Und was sind deine Spezialthemen, wollen wir von Sabine wissen.

„Ich habe mit der klassischen Ausbildung begonnen und auch die Themen Wanderreiten und Westernreiten ausprobiert. Jetzt bin ich wieder bei der Ausbildung gelandet und biete auf meinem Hof pro Jahr 10 bis 12 Kurse an. Großteils zu den Themen Centered Riding und Horsemanship“, erzählt sie weiter. „Natürlich gehe ich immer noch mit den Gästen ausreiten. Aber ich merke schon, dass es immer wichtiger wird, dass die Leute gut am Pferd sitzen. Ich kann ihnen beim Ausreiten mit kleinen Korrekturen helfen, sodass sie sich wohler fühlen und eben besser sitzen“, verrät uns Sabine noch dazu. Sie selbst sitzt in etwa fünf Mal pro Woche am Pferd und hat dabei sehr viel Freude.


Abenteuer beginnen da, wo Pläne enden.
Felix Kern

Felix, von dir kennen wir die Aussage „Abenteuer beginnen da, wo Pläne enden!“ Was findest du denn spannender, die Pläne zu schmieden oder das Abenteuer zu erleben? Das ist beides gleich spannend, antwortet er nach nur einer kurzen Denkpause.

Und Sabine, was ist das schönste Kompliment das dir je ein Gast gemacht hat? Sabine hat gleich eine Antwort parat, „am meisten freut es mich wenn Gäste sagen, dass sie sich bei mir wie zu Hause fühlen.“

© Foto: Wanderreithof Kern/Elisa Sommer: Sabine Kern - Besitzerin des Wanderreithofs Kern
Sabine Kern steht neben einem Pferd und sieht es an.

Unzählige Gäste haben Sabine und Felix schon auf ihren Höfen empfangen und bei Wanderritten begleitet.

Uns interesseiert noch wie sich die Gäste im Laufe der Jahre verändert haben.

„Man muss nicht mehr so lange Ausritte machen, früher haben wir eine halbe Stunde gesattelt und sind sechs Stunden geritten, heute satteln wir eine Stunde und reiten maximal 4 Stunden. Das Rundherum mit der Pflege des Pferdes hat viel mehr an Bedeutung gewonnen“, findet Sabine.

Felix meint, dass den Reitern die Orientierung mit der Karte oft schwer fällt. Eine App die in Planung ist, soll das lösen. Und Sabine fügt noch hinzu, „Ich finde die Gäste sind anspruchsvoller geworden, sie sind aber auch anstandslos dazu bereit das zu bezahlen.“

Die Landschaft oder das Reitwegenetz. Was schätzen die Gäste am meisten an unserer Region?
„Beides schätzen sie an unserer Region sehr, dazu auch noch die Ruhe, das gute Essen und die Sauberkeit“, meint Sabine. „ Ja und die freundlichen Leute, die Gäste freuen sich sehr, wenn der Bauer mit dem Traktor stehen bleibt und grüßt“, ergänzt Felix.

Man merkt die beiden lieben was sie tun und können auf Pferde, Freiheit und vor allem die Gäste um sie herum nur schwer verzichten.